Digital Health und Rollenbilder von Ärzten und Patienten im Wandel

Die Digitalisierung ist längst in allen Lebensbereichen präsent und bringt auch in der Gesundheitsversorgung tiefgreifende Veränderungen mit sich. Für Mednic, dem Newsportal für Healthcare-IT, habe ich im Herbst letzten Jahres im Interview mit Folker Lück über Chancen und Potenziale gesprochen. Auch über Risiken und Hürden im Bereich eHealth, Digital Health, Telemedizin, Big Data & Co. aus ärztlicher und gesundheitsökonomischer Sicht. Weil die Thematik nach wie vor hochaktuell ist, habe ich sie in diesem Artikel noch einmal aus einer anderen Perspektive aufgegriffen.

Was meinen Sie: Wohin wird uns die digitale Transformation im Gesundheitswesen führen und vor allem, wie wollen wir sie gestalten?

Wie in anderen Branchen steht auch in der Gesundheitswirtschaft hinter der Transformation weit mehr als nur der technologische Fortschritt. Denn die Digitalisierung treibt vor allem einen Kulturwandel im Gesundheitswesen voran. Dieser geht auch mit einem Paradigmenwechsel in der Arzt-Patienten-Beziehung einher.

 

Mehr Selbstbestimmung und Gesundheitskompetenz von Patienten

Durch die freie Verfügbarkeit von Gesundheitsinformationen und die unzähligen Möglichkeiten des “Self-Trackings” und Selbstmanagements mittels Gesundheits-Apps, Wearables, Webplattformen, Online-Coachings usw. treten Patienten heutzutage selbstbewusster gegenüber Ärzten und anderen medizinischen Berufsgruppen auf und sie agieren auch selbstbestimmter.

Gleichzeitig besteht allerdings aufgrund der mittlerweile unüberschaubaren Angebotsvielfalt diverser Anbieter im Bereich Digital Health, der Flut an Informationen und der disruptiven Marktentwicklungen auch ein wachsender Bedarf an professioneller Beratung und Unterstützung in Sachen Gesundheits- und Kompetenzentwicklung. Denn letztlich kommt es immer noch darauf an, die gewonnenen Informationen aus den gesammelten Daten im individuellen Kontext auf deren medizinische und persönliche Relevanz zu bewerten und daraus geeignete Handlungsoptionen abzuleiten – oder eben auch nicht. Schließlich ist nicht alles, was als “Befund” detektiert wird, krankhaft und behandlungsbedürftig.

(Selbst-)Diagnostik und Behandlungsvielfalt dürfen am Ende auch nicht dazu verleiten, die Menschen kränker zu machen als sie eigentlich sind.

 

Der Rollenwandel vom „Halbgott in Weiß“ zum Coach und Koordinator für Gesundheitsfragen

Deswegen ist gerade im digitalen Zeitalter eine vertrauensvolle und partnerschaftliche Arzt-Patienten-Beziehung so wichtig. Die Zeit, die in menschliche Zuwendung, Aufklärung, Beratung und gemeinsame Entscheidungsfindung investiert wird, zahlt sich nachhaltig aus. Dies setzt allerdings auch in der Gesundheitswirtschaft und -politik ein entsprechendes Verständnis voraus. Es braucht eine andere, auch monetäre Wertschätzung von Gesprächs- und Versorgungsqualität gegenüber bisherigen Vergütungssystemen und Abrechnungsmodalitäten in der Leistungserbringung. Denn der Nutzen für Patienten muss viel stärker in den Fokus rücken.

Das Interview können Sie hier nachlesen, es wurde am 04.09.2017 in Mednic veröffentlicht.

Vom Arzt zum Coach für Gesundheitsfragen

 

 

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Weitere Beiträge sowie Aktuelles und Wissenswertes aus der Praxis finden Sie im ZUKUNFTSDIALOG-Blog. Hier schreibe ich rund um die Themen Gesundheitsförderung und Prävention, neue Arbeitskonzepte, Organisationsentwicklung und Zusammenarbeit im digitalen Wandel.

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