Christina Czeschik – #WeeklyDigitalStatement Nr. 27/18

“Wenn wir in Deutschland und Europa keine benutzer- und datenschutzfreundlichen digitalen Lösungen schaffen, dann werden in wenigen Jahren unsere Gesundheitsdaten im Silicon Valley liegen – bei Unternehmen, die viel von Benutzerfreundlichkeit verstehen, aber wenig von Datenschutz halten.“

Das #WeeklyDigitalStatement Nr. 27/18 stammt von Dr. Christina Czeschik aus Essen.

Liebe Christina, vielen Dank für Dein Statement und den passenden Artikel dazu (Link weiter unten)! Eine wunderbare Vorlage, um diese Woche einmal ganz konkret in den Austausch über die Frage zu gehen:

Was braucht es, damit benutzerfreundliche und gleichermaßen datenschutzkonforme digitale Lösungen entwickelt werden und schnell und breit in die Umsetzung kommen?

👉 Diskutieren Sie mit im #ZUKUNFTSDIALOG! Erfahren Sie hier mehr zum Thema “Digital Health und Digitale Privatsphäre” und kommentieren Sie gerne, was Sie bewegt und einbringen möchten!

 

Über Dr. Christina Czeschik

Dr. Christina Czeschik, Ärztin, Medizininformatikerin, Beraterin, Autorin, Inhaberin von Serapion, Geschäftsführerin von Intellicore (Bild: © Christina Czeschik)

Dr. Christina Czeschik ist Ärztin, Medizininformatikerin und Autorin, Inhaberin der Beratung und Fachredaktion Serapion und Geschäftsführerin von Intellicore, einem Verlagsprogramm von Technologie-Analysen und Publikationen zu IT- und Datensicherheit sowie Datenschutz im Gesundheitswesen.

Auf ihrem Blog Serapion.de schreibt und informiert sie über innovative Trends und Themen rund um E-HealthDigitale Medizin und Informationssicherheit.

Was sie antreibt, ist die Verbesserung der Gesundheitsversorgung durch Digitalisierung, die Verständigung zwischen IT- und Medizinwelt zu fördern und den fachübergreifenden Austausch anzuregen.

Weil es den Fortschritt und damit letzten Endes die Lebensqualität von uns allen mindert, wenn jeder nur in seinem eigenen Saft schmort. Word!

Christina möchte insbesondere auch für den verantwortungsvollen Umgang mit Gesundheitsdaten sensibilisieren und unterstützt daher die Initiative #faxendicke, indem sie über die Sicherheits- und Datenschutzproblematik von Fax und unverschlüsselten Emails aufklärt, die in der medizinischen Praxis immer noch weite Verbreitung finden. Auf ihrem Blog stellt sie praktikable und sichere Alternativen vor (mehr Infos zur Initiative unter faxendicke.org).

Außerdem hat Christina zusammen mit Matthias Lindhorst und Rowitha Jehle einen Internet-Ratgeber für Computer- und IT-Laien geschrieben: „Gut gerüstet gegen Überwachung im Web: Wie Sie verschlüsselt mailen, chatten und surfen“, 2015 erschienen im Verlag der Wiley-VCH (Link zur Verlagseite).

Den Hinweis wollte ich mir an dieser Stelle passend zum Thema nicht nehmen lassen ;-).

 

HIER VERNETZEN UND MEHR ERFAHREN

Social Media: Christina Czeschik bei Twitter, LinkedIn und Xing.
Blog- & Unternehmenswebseiten: Serapion.de und Intellicore UG (haftungsbeschränkt)

 

 

ZUM ZUKUNFTSDIALOG

Ja, ich stimme Christina zu. Es ist an der Zeit, über den eigenen Tellerrand hinaus und innovativ zu denken, wenn es darum geht, benutzerfreundliche und gleichermaßen datenschutzkonforme digitale Lösungen zu schaffen. Schließlich geht uns der Umgang mit Gesundheitsdaten auch alle an.

Die Thematik rund um Datensicherheit, Datenverarbeitung und Datensouveränität ist nicht neu, dafür aber nach wie vor aktuell. Gerade im Gesundheitswesen schweben wir beim Einsatz zeitgemäßer sicherer Informations- und Kommunikationstechnologien eher noch “zwischen Baum und Borke”. 

 

Benutzerfreundlichkeit und Datenschutzkonformität – ein Widerspruch in sich?

Nun, in der Praxis ist dies zumindest die verbreitete Auffassung, so meine Wahrnehmung und Erfahrung, getreu dem Motto “Was einfach funktioniert, kann nicht sicher sein und was sicher ist, ist einfach zu kompliziert.”

Beim Anwender hat vor allem letzteres ziemlich schlechte Karten, sich durchzusetzen, während die “Datenkrallen” eher leichtes Spiel zu haben scheinen.

Denn ob Facebook, Google, Amazon & Co., die Giganten locken die Nutzer und Konsumenten mit gnadenlos einfacher Bedienung und multifunktionalen Anwendungen, die selbsterklärend sind und sie werden im Alltag meistens ohnehin schon selbstverständlich genutzt. Wer schaut wirklich dahinter, was mit den eigenen Daten passiert?

Die Frage sollte daher auch sein, was wir in Sachen Benutzerfreundlichkeit von ihnen lernen können, um sichere Lösungen funktional attraktiv und leicht zugänglich zu machen, um die Anschlussfähigkeit zu fördern. Und zwar möglichst so, dass die jeder versteht, installieren und anwenden kann, ohne einen Experten oder Informatiker hinzurufen zu müssen.

 

Die Praxis zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Zweifelsohne gehört das Fax ins Museum und sensible Gesundheitsdaten haben auch nichts bei Facebook oder WhatsApp und dergleichen zu suchen. Aber warum findet der Datenaustausch dann in der Praxis teilweise trotzdem über solche Wege statt, auch mit Einverständnis und auf Wunsch von Patienten?

Dass es nicht lege artis ist, sondern sogar strafbar sein kann und berufsrechtliche Konsequenzen drohen, ist die eine Seite, das sollte hinlänglich bekannt sein (ob es das auch ist?).
Die andere Seite ist die, dass die sicheren Alternativen entweder nicht bekannt sind oder aber die Sorge besteht, dass diese zu umständlich oder kompliziert sind, mehr Zeit benötigt wird als das Fax zu bedienen, der Praxisablauf behindert wird, die Einführung zu aufwändig ist, am Ende Mehrkosten verursacht werden und so weiter. Die Argumente können ganz verschieden sein und driften zum Teil auch weit auseinander.

Momentan sieht das Bild zumindest für Viele so aus, dass man sich entscheiden muss: entweder sicher oder benutzerfreundlich.

Prominente Beispiele für diesen (scheinbaren) Widerspruch im Gesundheitswesen mit lang und breit geführten Diskussion sind 1) die gesetzlich geforderte elektronische Patientenakte in der Telematik-Infrastruktur – die zwar sicher ist, aber (noch) nicht hinreichend praktikabel – und 2) elektronische Gesundheitsakten in Form von Apps wie Vivy, mit dem Anspruch, auch “persönliche Assistenz” zu sein – praktisch und komfortabel, aber (noch) mit Sicherheitslücken.

 

Sicherheit und Datenschutz versus Innovationsfreudigkeit?

Sie erinnern sich vielleicht. Vivy erntete in diesem Jahr zunächst sehr viel positive Resonanz und wurde in den Medien nicht zuletzt auch wegen der Benutzerfreundlichkeit als DIE wegweisende Lösung gefeiert.

Immerhin haben sich 16 Krankenkassen dieser Lösung angeschlossen und ab September damit begonnen, sie ihren Versicherten anzubieten.

Schon kurz darauf mehrten sich allerdings Berichte über Sicherheitslücken und unzulässige Datenfreigaben über mehrere Analyse- und Trackingdienste mit Sitz in den USA. Aus der Traum oder jetzt erst recht?

Nur so viel zum Einstieg, näheres finden Sie in Christinas Artikel.

Warum die neuen elektronischen Gesundheitsakten wie Vivy und Co. trotz Datenschutz- und Sicherheitslücken ein Schritt in die richtige Richtung sind, und warum die Alternative zu einem lebhaften europäischen Startup-Ökosystem in Wirklichkeit keine ist, das hat Christina auf Serapion.de näher beleuchtet. In ihrem brandaktuellen Beitrag vom 14.12.2018 – mit dem charmant-provokanten Titel “Gesundheitsdaten suchen ein Zuhause: Facebook, Vivy & Co.”.

Nun soll es hier nicht um die gematik, den Fall Vivy oder um Lösungen diverser anderer Hersteller gehen. Mir liegt es auch fern, eine weitere Diskussion darüber zu eröffnen, wer bei diesen Entwicklungen was versäumt hat und woran es liegt, dass wir im deutschen Gesundheitswesen in Sachen digitaler Kommunikation hinten anstehen, während andere Länder schon viel weiter sind.

 

Was ich mir wünsche und was auch Christina am Herzen liegt, ist ein Dialog, der nach vorne gerichtet ist. Wie soll es eigentlich sein?

Wie wird es möglich, benutzerfreundliche und datensichere Lösungen zu schaffen, die wirklich Akzeptanz und schneller Anwendung in der Breite zu finden?

Lassen Sie uns neben dem bekannten Schwarz und Weiß noch vielmehr auf die Graustufen dazwischen schauen. Unseren Denkraum erweitern, indem wir gemeinsam und gerne auch branchenübergreifend darüber nach- und weiterdenken.

Und seien wir etwas gnädiger mit unperfekten neuen Ideen und innovativen Lösungen, damit die überhaupt die Chance haben, weiterentwickelt und verbessert zu werden.

 

Was meinen Sie?

Wir sind gespannt auf Ihre Meinung und Anregungen und freuen uns auf den Dialog mit Ihnen!
Nutzen Sie gerne das Kommentarfeld hier oder die Social Media-Kanäle.
Meinen Post zum Beitrag finden Sie auch hier bei Twitter, LinkedIn, Xing und Facebook.

 

Wie heißt es so schön? Sharing is Caring!

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Ich freue mich, wenn ich mit Ihnen den #ZUKUNFTSDIALOG moderieren darf: den digitalen Austausch zu Ihrem persönlichen Statement und Kernthema. Hier im Kommentarfeld oder in den sozialen Netzwerken. Jeden Sonntags lade ich dazu mit einem neuen #WeeklyDigitalStatement ein.

 

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