Dr. med. Karin Kelle-Herfurth

Dr. med. Karin Kelle-Herfurth

Beratende Ärztin und Partnerin für Neue Wege zum gesunden Erfolg. Health & Business Counseling verhilft Menschen und Unternehmen zu mehr Gesundheit und guter Arbeit im digitalen Wandel - in der Prävention, beim beruflichen Wiedereinstieg mit Krankheitsfolgen und Neustart in der Selbstständigkeit.

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Zurück ins Leben und Arbeiten mit Krebs

Der diesjährige Weltkrebstag, heute zum 4. Februar, steht unter dem Motto “Versorgungslücken schließen”. Immer mehr Menschen stehen nach der Krebsbehandlung vor der Frage: Wie gelingt der Weg zurück ins Leben und Arbeiten mit Krebs als chronische Erkrankung? Mit diesem Artikel möchte ich Impulse setzen, Einblicke in die Beratung zur Wiedereingliederung geben und Sie einladen, Perspektiven für eine Neuausrichtung weiterzudenken. Mein Schwerpunkt liegt in Übergängen zum Beruf, Arbeitsleben und Businesskontext.

Der Weltkrebstag ist immer eine gute Gelegenheit, um mit Kampagnen und konzentrierten Aktionen an die Sinnhaftigkeit der Früherkennung zu erinnern und zu sensibilisieren, Krebsvorsorgen wahrzunehmen. Für jeden Menschen, der dadurch erreicht wird, lohnt es sich. Das kann Leben retten!

Seit zwei Jahren dominiert allerdings das Coronavirus sämtliche soziale Lebensbereiche und das Gesundheitswesen, sodass es wahrscheinlich nicht mehr ausreicht, auf Awareness zu setzen. Denn die Inanspruchnahme von präventiven Maßnahmen ist im Verlauf und durch die Umstände der Pandemie zurückgegangen. Viele Menschen vermeiden natürlich auch aus Angst, sich anzustecken nicht zwingend notwendige ärztliche Beratung, Praxis- und Krankenhausbesuche. Krebs kennt jedoch keinen Lockdown.

Jedes Jahr erhalten um die 500.000 Menschen in Deutschland eine Krebsdiagnose, die von jetzt auf gleich alles verändert. Ein Einschnitt, der Grundsätzliches im Leben wie auch das Leben selbst infrage stellt. Doch ich möchte Menschen auch ermutigen, sich bewusst damit auseinanderzusetzen:

Von der Versorgung zur Nachsorge: Für das Leben mit und nach dem Krebs

Erfreulicherweise sind viele Krebsarten heute medizinisch gut behandelbar, immer häufiger mit kurativem Ansatz, also zur Heilung führend. Die Chancen sind umso besser, je früher der Krebs entdeckt wird. Ist keine ursächliche Behandlung möglich, kommt eine Vielzahl lindernder und unterstützender Optionen durch supportive und palliative Therapieansätze zur Anwendung. 

Insgesamt steht es um die Lebenserwartung nach Diagnose durch die Fortschritte in Diagnostik und Behandlung wesentlich günstiger als vor einigen Jahren.

Die Nachsorge im ambulanten Setting ist ebenso ein tragender Pfeiler, hat sich erweitert und differenziert. So ist die Betreuung heute ganzheitlicher orientiert, z. B. durch Einbindung der onkologischen und psychosomatischen Rehabilitation, Schmerztherapie, Psychoonkologie und Pflegedienste. Ein bemerkenswerter Punkt ist, dass individuell, strukturell und regional eine große Differenz herrscht, wie die Möglichkeiten des Gesundheitssystems von Behandlerseite genutzt und empfehlend ausgesprochen werden und von Betroffenen genutzt werden können. Und zweifelsohne: Besser geht immer.

Versorgungslücken werden mit Alternativlösungen überbrückt

Viel Potenzial steckt in transdisziplinär multiprofessioneller und vernetzter Zusammenarbeit durch sektorenübergreifende Strukturen. Kommunikation und Lösung komplexer Probleme erfordern mehr Anpassungsfähigkeit und Durchlässigkeit. Grenzüberschreitung bedarf adäquate Koordination an Schnittstellen. Das Gesundheitswesen hat in diesen Handlungsfeldern noch große Lücken und es bräuchte auf vielen Ebenen wohl einen Neustart … Auch im Hinblick auf die Intransparenz und überbordende Bürokratie. Zumindest gibt es für Betroffene informierende und beratende Stellen, die durch diesen Dschungel lotsen und Hilfe im Kontakt mit Ämtern und Behörden geben.

So wie das große Ganze für die optimale Versorgung wichtig ist, ist es auch die personalisierte Nachsorge für die Therapietreue, zugeschnitten auf den jeweils individuellen Bedarf und Bedürfnisse. Ein gutes Arzt-Patienten-Verhältnis ist die Basis. Möglichkeiten wie Telemedizin und psychosoziale Online-Beratung können neben der persönlichen und analogen Vor-Ort-Betreuung das eigenverantwortliche Krankheitsmanagement zu Hause zu unterstützen. Auch Angehörige können durch ortsunabhängige flexible Beratung enger einbezogen werden. 

Begleitete Online-Trainings für die körperliche und geistige Fitness und Psychoedukation zur Förderung eines gesunden Lebensstils werden auch gerne angenommen. Selbstbestimmtheit und Autonomie im selbst gewählten Umfeld tragen zur Lebensqualität bei. Früher oder später rückt die Medizin und Beschäftigung mit therapeutischen Empfehlungen in den Hintergrund. Dann steht die Frage im Raum, wie es jetzt gut weitergeht, das Leben mit und nach dem Krebs. Wie es im eigenen Sinne aktiv gestaltet werden möchte mit dem, was machbar ist. Und was dafür persönlich wirklich wichtig ist.

Lesetipp zu weiterführenden kostenfreien Informationen: Zum Beispiel krebsinformationsdienst.de, “Leben mit Krebs: Selbst aktiv werden”.

Den Kompass und Fokus neu ausrichten: Was wesentlich und wirklich wichtig ist

Nach überstandener Krebserkrankung stehen weitere herausfordernde Umbrüche bevor. Aktuelle und längst vergessen geglaubte Lebens- und Beziehungsthemen drängen sich auf. Welche Fragen verlangen Klärung? Welche unlösbaren Konflikte könnten durch Akzeptanz beantwortet werden und zu innerem Frieden führen? Wohin zieht die Sehnsucht, Freude und Lust aufs Leben? Welche Perspektiven lassen sich jetzt aus dieser veränderten Ausgangslage in neuen Dimensionen erschließen?

Es braucht eine gute Portion Mut und Zuversicht, kritisch Bilanz zu ziehen, optimistisch und realistisch nach vorn zu schauen. Im besten Fall mit einem Sparringspartner oder einer Wegbegleiterin, der oder die Impulse von außen gibt und hilft, Denk- und Handlungsräume weiterzuentwickeln. Vielleicht geht es darum, aufgeschobene Wünsche zu formulieren und kleinere oder größere Ziele zu verwirklichen, Neues oder Anderes auszuprobieren. Mit einer lebensverändernden existenziellen Krankheitserfahrung bekommen Werte und Prinzipien eine andere Bedeutung, tiefe Klarheit und Relevanz. Sogar im Hinblick auf die Neuausrichtung und Rückkehr ins Arbeitsleben.

Die Vorbereitung auf den Rückkehrprozess zur Arbeit

Für Viele ist die Wiederaufnahme einer Tätigkeit und das Gefühl, gebraucht zu werden und Wertschöpfendes zu tun essenziell. Das ist verständlich und unterstützenswert. Denn Arbeit, die auch persönlich Sinn stiftet, ist eine gesundheitliche Ressource, stärkt die Selbstwirksamkeit, macht zufrieden und gibt Struktur im Leben. Das vermittelt Orientierung und zumindest partiell Sicherheit in der Ungewissheit zur beruflichen Zukunft und Krankheitsprognose. Immerhin ist die Hälfte der Betroffenen bei einer Krebsdiagnose im erwerbsfähigen Alter.

Und: Es ist ein brisantes Thema der sozialen und wirtschaftlichen Status-Sicherung und daher bei Betroffenen mit Ängsten, Sorgen und Unsicherheit verbunden. Werden sie wieder belastbar und den Anforderungen gewachsen sein? Krebs bzw. die Behandlung geht mit einer längeren Arbeitsunfähigkeit einher und hinterlässt Spuren in der Alltagsbewältigung, was nicht überall auf Toleranz und Akzeptanz stößt. 

Beispielsweise fordern Grenzen der mental-kognitiven Leistungsfähigkeit im Berufsalltag mit Krankheitsfolgen wie Fatigue Flexibiltät von allen Beteiligten. Um sich und das Umfeld darauf einzustellen, ist eine gute Vorbereitung der Rückkehr und ein stufenweise angepasster Wiedereinstieg ratsam. Oftmals kann Einschränkungen in einer Form und mit Maßlösungen begegnet werden, so dass sie weniger relevant werden im Arbeitsprozess.

Eine besondere Herausforderung für Selbstständige

Selbstständige sind weitgehend auf sich allein gestellt. Es sei denn, dass sie Teile der Wertschöpfung und Aufgaben an Mitarbeitende oder Freelancer delegieren. Um das Geschäft nach oder während der Auszeit weiterführen zu können, ohne über die eigenen Belastungsgrenzen hinaus zu gehen und die Gesundheit zu gefährden, genügt es nicht, Einzelmaßnahmen umzusetzen. 

Die Optimierung von Arbeitsweisen oder Zeitmanagement sind nur kleine Stellrädchen, die auf ein funktionierendes Gesamtsystem und abgestimmte Strategien bauen können müssen. Veränderte persönliche Bedürfnisse bedürfen einen anderen Rahmen im Business, der Entlastung und Reduktion von Aufwand ermöglicht und dabei langfristig profitabel ist. Daher ist eine persönliche wie unternehmerische Neupositionierung und strukturelle Neuorganisation meist die Konsequenz.

Das Ganze ist ambivalent, bringt Chancen und Risiken mit sich und will gut und strategisch klug durchdacht werden. Eine Bestandsaufnahme zur Situationsanalyse und Kontextklärung lohnt sich in jeder Hinsicht, um das Business- und Lebenskonzept im Einklang zu gestalten. Es ist ein Rundblick auf das Geschäftsmodell, den Kundenstamm und das Portfolio und alles, was an Arbeitsprozessen und Kommunikation damit verbunden ist. 

Und im besten Fall haben sie bereits ein gutes persönliches und berufliches Unterstützungsnetzwerk mit emotional und geschäftlich belastbaren Beziehungen. Das Wichtigste ist allerdings zunächst die innere Klärung und das Erarbeiten einer souveränen Positionierung von innen nach außen. Das ist auch der Kern der Begleitung im Persönlichen Wegweiser-Programm.

 

Win-Win-Situationen für Unternehmen und Mitarbeitende 

Was ich in der Fallbegleitung und individuellen Beratung im Betrieblichen Eingliederungsmanagement verfolgen kann: Auch und insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen profitieren von einem systematischen BEM, wenn sie ihre Mitarbeitenden mit wertvollem Know-how bei der beruflichen Wiedereingliederung unterstützen. 

Durch einen gut geführten “Trialog-Prozess” wird für alle Beteiligten viel mehr möglich als wenn der Rückkehrprozess und Erkrankte sich selbst überlassen werden. Kommunikations- und Abstimmungsprobleme entstehen oft auf dem Boden von Berührungsängsten im Umgang mit Betroffenen und der Situation an sich. Genau hier liegt das Potenzial einer professionellen Begleitung, fachübergreifenden Beratung und Moderation im Prozess.

Anfängliche Skepsis, Unsicherheit und Zweifel bezüglich der Einsetzbarkeit gibt sich im Verlauf, wenn eine grundsätzliche Aufgeschlossenheit besteht. Der Trialog bezieht sich auf ein Beziehungsgeflecht und Abstimmungen zwischen den Erkrankten, der Arbeitgeberseite, Führungs- und Teamebene und den behandelnden Ärztinnen und/oder Betriebsärzten. Die Konstellation der Beteiligten im BEM ist allerdings bei jedem Einzelfall unterschiedlich.

Exkurs: Ressourcenorientierte berufliche Wiedereingliederung

Um interne Kompetenzen aufzubauen, entwickle ich mit Unternehmen auch eigene Instrumente im BEM: Das “Ressourcenorientierte Fähigkeitsprofil” ist beispielsweise ein erweitertes positives Leistungsbild. Es bezieht sich auf betriebsspezifische Anforderungen konkreter Arbeitsplätze oder auf alle in Frage kommenden Tätigkeitsbereiche. Das bietet mehr Optionen, alternative Lösungen zu durchdenken. 

Die Beschreibung der konkreten Anforderungen am Arbeitsplatz und der Tätigkeiten erfolgt durch den Arbeitgeber. Oder es kann aus einer guten physischen und psychischen Gefährdungsbeurteilung abgeleitet und bei Bedarf ergänzt werden. So entsteht kein wesentlicher zusätzlicher Aufwand. Gegebenenfalls ist eine Vor-Ort-Besichtigung sinnvoll.

In der medizinischen Beratung erfolgt eine Selbst- und Fremdeinschätzung der funktionellen Fähigkeiten und arbeitsbezogenen Alltagsbelastbarkeit. Gemeinsam wird eruiert, inwieweit es der oder dem Mitarbeitenden in gesundheitlicher Hinsicht möglich ist, die Anforderungen zu erfüllen oder unter den Rahmenbedingungen zu arbeiten. Und ansonsten, unter welchen Voraussetzungen es möglich wäre. 

Aus dem Gespräch und der Prozessbegleitung ergeben sich Anhaltspunkte zur gesundheitlichen Prävention, zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit und zur beruflichen Wiedereingliederung. Einschränkungen werden berücksichtigt, auch mit Empfehlungen, jedoch stehen Defizite nicht im Fokus. Denn das hilft nicht weiter.

Das Ergebnis: ein detailliertes Fähigkeitsprofil, das als Gesprächsgrundlage dient, sich an den Ressourcen und auszubauenden Kompetenzen orientiert.

An dieser Stelle werde ich an anderer Stelle später fortsetzen und inhaltlich tiefer gehen. Möchten Sie vorab mehr erfahren? Dann habe ich möglicherweise etwas:

Gesundheit fördern, Balance halten: Das Leben und Arbeiten mit Krebs gestalten

Um Voraussetzungen für gesundes Leben, Arbeiten und Wirtschaften – präventiv und im Einklang mit Erkrankungsfolgen – geht es auch in meiner aktuellen Online-Quartals-Fortbildung. Wenn Sie sich für das Thema interessieren, neugierig sind und Ihnen zeitgemäße Selbst- und Unternehmensführung am Herzen liegt: 

Am 24.02. und 31.03.2022 haben Sie wieder die Möglichkeit, Fortbildungsluft zu schnuppern, mich kennenzulernen und sich in kleiner Runde mit anderen unternehmerischen Menschen auszutauschen. Das Thema: „Gesundheit und Balance mit selbstbewusster Arbeitsgestaltung“.

Die Online-Dialogreihe ist ein digitales Bildungs- und Vernetzungsangebot für Gesundheit im Business

Reservieren Sie sich die beiden nächsten Donnerstage Ende Februar und März und freuen Sie sich auf einen gemütlichen Abend, Input und Austausch in einer guten Stunde zwischen 18:30 und 19:30 Uhr. Die Runde werde ich zugunsten des lebendigen Dialoges bewusst klein halten.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Es ist kein klassisches Webinar mit Frontalpräsentation, sondern ein Format, das auf spontane und tiefergehende Interaktion nach individuellem Bedarf meiner Gäste abzielt. Ich bereite einen kurzen Impulsvortrag mit Praxisbezug und anschaulichen Fallbeispielen vor, den ich frei halte und Interessierten in einem virtuellen Raum zur Reflexion und Diskussion anbiete. Der Zugang ist kostenfrei über den Health & Business Insider möglich, meinem Monats-Newsletter.

Ressourcen

Anmeldung zum nächsten Newsletter mit Zoom-Link für die Live Online-Dialoge am 24.02. und 31.03.2022 um 18:30 und 19:30 Uhr:

https://karin-kelle-herfurth.de/newsletter/

Gespräch mit Jörg Dommershausen über das Betriebliche Eingliederungsmanagement als Chance für Unternehmen und unternehmerische Menschen im „Auf geht´ s – der Reha-Podcast“:

https://rehamanagement-nord.de/folge-235-betriebliches-eingliederungsmanagement/

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