„Wie es jetzt läuft, kann nicht so bleiben.“ Diesen Satz höre ich oft. Dahinter steckt oft die Sehnsucht nach einer besseren Kultur – mehr Gesundheit und Prävention, weniger Belastung, menschlichere Arbeitsbedingungen, bessere Vereinbarkeit. Doch was heißt das eigentlich? Wie verändern Organisationen sich wirklich, sodass sie gesünder werden? Und welche Voraussetzungen braucht es, damit Wandel gelingt – nicht nur durch Strukturen, sondern auch durch Bewusstsein für die eigenen Ressourcen?
Ein Kulturwandel entsteht nicht von selbst. Er beginnt dort, wo Menschen Regeln, Dynamiken und Wechselwirkungen sichtbar machen. Erst wenn sie erkennen, wie Prozesse ineinandergreifen, öffnen sich Handlungsspielräume. Dann wird es möglich, mit fachlicher Kompetenz nicht nur zu reagieren, sondern gestaltend Einfluss zu nehmen – und Sinn mit Wirkung zu verbinden.
Ich begleite Menschen in fachlicher Verantwortung an Wendepunkten: in ärztlichen Leitungsrollen, in eigener Praxis, in therapeutischen und psychotherapeutischen Teams. Gemeinsam arbeiten wir am Innen und Außen für NEUE WEGE ZUM GESUNDEN ERFOLG.
Was ich anders beobachte
Es gibt viele Ansätze, die bei der Kommunikation ansetzen: Wie spricht man miteinander? Wie macht man sich verständlich? Wie überzeugt man mit besseren Argumenten? All das ist wichtig, aber selten allein zielführend. Ich setze hier grundlegender an, eine Ebene tiefer. Nicht die Formulierung selbst entscheidet über ihre Wirkung, sondern was im nächsten Schritt mit ihr geschieht – ob sie aufgegriffen, übergangen, dokumentiert oder stillschweigend fallengelassen wird. Ein Befund, ein Gespräch oder ein Vermerk wirken nicht durch die Wortwahl, sondern dadurch, was das nächste System damit macht.
Deshalb reicht gute Absicht selten aus. Verstehen ergibt sich nicht aus dem, was jemand gemeint hat. Es kommt darauf an, ob ein Formular, eine Übergabe oder ein Antrag eine Deutung tatsächlich weiterträgt oder verwirft. Wer das übersieht, sucht die Ursache an der falschen Stelle, beispielsweise bei einer Person, einem Kommunikationsstil oder einer schwierigen Beziehung, obwohl in Wahrheit die Form am Werk ist, in der ein System Anschluss organisiert. Das Unangenehme daran ist, dass sich diese Form aus der eigenen Position kaum erkennen lässt, weil man selbst in ihr steht und mit ihr beobachtet. Was von innen plausibel erscheint, müsste von einem anderen Standort aus erst geprüft werden.
Genau diese Verwechslung sehe ich häufig; und dort setzt mein Ansatz aus medizinisch-systemischer Sicht dann auch an, wenn die Bereitschaft zur Zusammenarbeit explizit auch dahingehend vorhanden ist, dem eigentlichen Problem auf den Grund zu gehen und dieses bearbeitbar zu machen statt nur einen aktuellen Zustand kurzfristig zu optimieren. Wie sich Ausschlüsse über mehrere Ebenen zugleich stabilisieren – von der Erfahrung über die Formulierung bis zur Geltung – habe ich in der Begriffsarbeit zu Kommunikation und zur Form-Schleife ausgearbeitet.
Wenn die Arbeit kippt und Sie nicht wissen, warum
Sie arbeiten gründlich, mit einem Blick fürs Ganze, und trotzdem kippt etwas, das Sie sich nicht erklären können. Die Stimmung wird gereizt, die Akzeptanz bröckelt. Sie geraten in eine Polarisierung, an der Sie sich nie beteiligen wollten, und finden sich verantwortlich gemacht für eine Wirkung, die Sie nicht beabsichtigt haben – und die Ihnen selbst nicht bewusst war. Vielleicht landen Sie im Verdacht der Psychologisierung, obwohl Sie genau das vermeiden wollten.
Solche Verläufe wirken wie ein Kommunikationsproblem, als müsste man es nur anders sagen. Das greift zu kurz. Was Sie erleben, ist die Wirkung einer Beschreibung im nächsten System: Etwas, das Sie als Beobachtung gemeint haben, wird an anderer Stelle zur Weiche, die über Anerkennung oder Abweisung entscheidet. Zwischen dem, was Sie fachlich vertreten, den institutionellen Vorgaben, die enger werden, und dem Anspruch, dem Menschen gerecht zu werden, entsteht eine Zwickmühle, aus der heraus jede einzelne Entscheidung richtig sein kann und das Ergebnis trotzdem gegen Sie läuft.
Es kommt hinzu, was selten ausgesprochen wird: Sie sind Teil dieses Systems, nicht außerhalb davon. Was Ihnen von innen plausibel erscheint, ist bereits durch die Ordnung geprägt, in der Sie stehen – und je mehr Sie sich erklären, präzisieren, belegen, desto eher kann genau das gegen Sie gelesen werden, als Fixierung, als Abwehr, als mangelnde Einsicht. Aus der eigenen Position lässt sich das kaum durchbrechen. Man steckt in der Lage, die man beurteilen müsste.
Dazu gehören auch Erfahrungen, über die selten gesprochen wird:
- Zweifel, Versagensängste oder Ohnmacht, wenn die Beziehung zu Patientinnen und Patienten oder die Verständigung im Team nicht trägt.
- Schuldgefühle, die nicht ausgesprochen werden dürfen, und nach einem Fehler oder belastenden Ereignis allein dazustehen.
- Moralische Verletzung, wenn eigene Werte und ethische Prinzipien im System gebrochen werden – bis hin zum Ausbrennen.
- Machtgefälle in der ärztlichen Weiterbildung, Sexismus oder subtile Diskriminierung, die Wege verstellen.
- Multisystemerkrankungen wie Long COVID oder ME/CFS, die massiv beeinträchtigen und den beruflichen Wiedereinstieg infrage stellen – bei Fachpersonen ebenso wie bei denen, die sie begleiten.
So verschieden diese Lagen sind, sie teilen dieselbe Form: Man wird in eine Dynamik gezogen, die man nicht gewählt hat, und für Wirkungen verantwortlich gemacht, die man nicht beabsichtigt hat.
Was sich dadurch ändert.
Ich halte diese Außenposition. Gemeinsam schauen wir von einem Standort aus, den Sie aus der eigenen Lage heraus nicht einnehmen können, an welcher Stelle eine Beschreibung kippt, woran sich das vorher erkennen lässt und wie sich Verläufe und Belastungsgrenzen so festhalten lassen, dass sie außerhalb Ihrer Praxis tragen, statt gegen die Betroffenen zu wirken. Es geht nicht darum, dass Sie etwas falsch machen. Es geht darum, das Spannungsfeld sichtbar zu machen, in dem Sie sich bewegen – und was dadurch benennbar, prüfbar und ansprechbar wird. Das ist keine Beziehungs- oder Kulturarbeit; wenn sich das Miteinander bessert, ist das eine Folge, kein Ziel. Es geht um die Unterscheidung selbst, und die nehmen Sie mit.
Was das konkret bringt, greift auf mehreren Ebenen zugleich:
- Sie erkennen früher, wann ein Fall Sie in eine Dynamik zieht, die Ihr Können unterläuft – und dokumentieren so, dass Sie Risiken und Haftung nicht unbemerkt mittragen.
- Sie gewinnen Sprache für das, was vorher diffus blieb: Sie können unterscheiden, ob Sie beschreiben oder bereits zurechnen, ob Sie an eine Grenze Ihrer Rolle stoßen oder an eine Grenze des Systems – statt sich für beides gleichermaßen verantwortlich zu fühlen.
- Und Sie behalten ein Gegenüber, mit dem sich offen aussprechen lässt, wo das eigene Vorgehen an Grenzen kommt, ohne dass daraus ein Makel wird. Das schützt das, weshalb Sie den Beruf ergriffen haben: die Stimmigkeit zwischen dem, was Sie für richtig halten, und dem, was Sie tun.
In ärztlichen und psychotherapeutischen Praxen
Wo Langzeitfolgen und komplexe Verläufe die Nachsorge über das Gewohnte hinaus fordern.
Komplexe Krankheitsfolgen und postakute Infektionssyndrome sind in vielen Praxen inzwischen Alltag. Etablierte Konzepte greifen hier nicht, und manche schaden sogar. Zuweisende erwarten, dass der Fall bearbeitbar wird, Betroffene erwarten Anerkennung, und beides zugleich zu leisten überschreitet die Rolle. Gerade weil ME/CFS und Long COVID so oft vorschnell psychisch zugerechnet werden, entscheidet Ihre Beschreibung mit darüber, ob Betroffene später Anerkennung finden oder an einer Zuschreibung scheitern, die niemand als Weiche gemeint hat.
Als beratende Fachärztin und Sparringspartnerin biete ich einen dritten Raum: einen Beobachtungsstandort außerhalb der Ordnung, in der Sie selbst tätig sind. Von dort lässt sich unterscheiden, womit Sie es zu tun haben – Missverständnis, Reibung im Team, organisationale Routine oder struktureller Konflikt – und ein Anliegen bei Bedarf in ein Feld übersetzen, in dem es überhaupt Geltung gewinnt. Das richtet sich an einzelne Fachpersonen ebenso wie an Praxen und Teams, die fachlich aufbauen möchten.
Sind Sie selbst betroffen und zugleich fachlich im Feld? Dann sehen Sie beide Seiten zugleich – und finden im Bereich Für Einzelpersonen den passenden Zugang.
Die Beratungsformate im Überblick
Die richtige Begleitung zur richtigen Zeit – auch aus der Ferne persönlich an Ihrer Seite.
Gesundheitskompass
Fall & Einordnung
Ein Fall lässt sich mit den gewohnten Routinen nicht fassen, und trotzdem steht eine Entscheidung an – eine Stellungnahme, eine Empfehlung, eine Weichenstellung, deren Formulierung über Anerkennung mitentscheidet. Bevor eine solche Einordnung tragfähig wird, muss oft erst geklärt sein, womit man es überhaupt zu tun hat.
Hier bringe ich die unabhängige fachärztliche Perspektive ein, die im eigenen Verfahren fehlt: PEM ernst nehmen, Krankheitsschwere begründen, iatrogene Risiken erkennen und eine Einschätzung so fassen, dass sie außerhalb Ihrer Praxis Bestand hat.
Wozu: Sie entscheiden im Einzelfall auf gesicherter Grundlage und geben eine Beurteilung ab, die im Sozial- und Versorgungssystem trägt, statt sich später gegen die Betroffenen zu wenden.
Persönlicher Wegweiser
Rolle & Verortung
Sie vertreten eine fachlich begründete Position und erleben, wie viel Widerstand das kostet – wie jeder Versuch, sich zu erklären, gegen Sie gewendet werden kann. Die Frage ist nicht mehr, was im Einzelfall richtig ist, sondern wer Sie in Ihrer Rolle sein wollen, wenn das Umfeld sie infrage stellt, und wie Sie das durchhalten, ohne sich zu verschleißen.
Wir ziehen Bilanz, bevor eine Richtung feststeht: Was trägt noch, was nicht mehr, wo verläuft die Grenze zwischen Ihrer Verantwortung und der des Systems. Ich bin dabei das Gegenüber, das mitdenkt, wo im eigenen Umfeld keines ist – ohne Bewertung, mit dem Blick von außen auf eine Lage, in der Sie selbst stecken.
Wozu: Sie handeln aus einer geklärten, haltbaren Position statt aus fortlaufender Rechtfertigung – und wissen, wofür Sie einstehen und wofür nicht.
360° Sparring
Gestalten & Verbinden
Sie stehen nicht mehr beim Einzelfall. Sie bauen etwas auf, das über die eigene Rolle hinausreicht – einen Praxisverbund, eine Fortbildung, ein Versorgungsmodell, eine Position im Gremium – und arbeiten dabei gegen eingespielte Logiken an, die sich durch bessere Argumente nicht bewegen lassen. Was in einem Zusammenhang überzeugt, verpufft im nächsten, weil dort andere Kriterien zählen.
Solche Vorhaben scheitern selten an der Sache, sondern daran, dass ihre Wirksamkeit über mehrere Felder zugleich entschieden wird – das fachliche, rechtliche, ökonomische, öffentliche – und niemand aus der eigenen Position alle überblickt. Ich bin das Gegenüber, das mit Ihnen prüft, in welchem Feld ein Anliegen überhaupt Geltung gewinnt, wie sich Kräfte bündeln lassen und wie andere Wege denkbar werden, jenseits der Verhältnisse, die den Aufwand sonst ins Unvertretbare treiben.
Wozu: Sie bringen ein Vorhaben strukturell voran, das den asymmetrischen Kräfteverhältnissen standhält – mit einer Strategie, die trägt, und ohne sich aufzureiben. Das braucht Zeit und Kontinuität, weil sich Strukturen nicht in einem Gespräch verschieben.
Praxisleitfaden als Einstieg
Ein erster Zugang aus einer früheren Projektphase.
Für einen ersten Zugang zum Thema Kulturwandel im Gesundheitswesen finden Sie hier einen Praxisleitfaden aus einer früheren Phase meiner Arbeit, entstanden gemeinsam mit der Arbeits- und Organisationspsychologin Alexandra Gerstner. Er liefert keine fertigen Rezepte, sondern Denk- und Arbeitswerkzeuge, die sich an die eigene Situation anpassen lassen.
Der Leitfaden zeigt, wie Organisationen Rahmenbedingungen schaffen können, die Zusammenarbeit fördern und Belastungen reduzieren.

Er behandelt unter anderem, wie eine gesunde Kultur in Organisationen entsteht, warum reine Kulturentwicklung oft zu kurz greift und wo der eigene Handlungsspielraum beginnt.
Hier herunterladen: Teil 1 als Whitepaper und Teil 2 als Handbuch mit Reflexionsfragen zum Üben.
Erste Auflage als E-Book, 18. Sept. 2020, Copyright: Dr. med. Karin Kelle-Herfurth.
Woran ich arbeite
Beiträge und Begriffsarbeit aus der laufenden Praxis.
Die Grundlagen dieser Arbeit sind offen zugänglich: als medizinische Einordnung, als Begriffsarbeit und als fortlaufende Auseinandersetzung mit den Strukturen, um die es hier geht.
ME/CFS und Long COVID verstehen
Krankheitsverständnis, PEM, Stabilisierung und der Weg vom Verstehen zum Handeln – medizinisch fundiert, praxisnah aufbereitet.
Zur Schwerpunktseite →Begriffswelten
Werkzeuge für Strukturreflexion und Analyse: Kommunikation, Geltung, epistemische Ungerechtigkeit, Psychologisierung – als Denkrahmen, nicht als Etiketten.
Zu den Begriffen →Transformation gestalten
Laufende Beiträge aus der Praxis: wie aus fachlicher Perspektive und Erfahrung strukturelle Wirksamkeit entsteht.
Zu den Beiträgen →Worum geht es Ihnen?
Ob eine abgegrenzte Frage, ein Impuls für Ihr Team oder eine längere Begleitung: Sie entscheiden, womit Sie starten. Gemeinsam finden wir heraus, wie Sie Ihre nächsten Schritte sicherer und klarer gehen.
Ich kenne den Klinikalltag und die Bedingungen in eigener Praxis, aus eigener Erfahrung und aus der Arbeit mit Menschen in fachlicher Verantwortung. Medizinische Expertise verbinde ich mit einem systemisch-realkonstruktivistischen Blick.
Als Partnerin bin ich an Ihrer Seite, unbefangen, vertraulich und mit Blick auf Realitäten, die sonst oft unsichtbar bleiben.
Sprechen wir darüberKarin Kelle-Herfurth, Dr. med., MHBA
Beratende Fachärztin für Physikalische und Rehabilitative Medizin, Prävention und Gesundheitsökonomie. Strukturanalyse und Sparring für Fach- und Führungspersonen in komplexen Umbrüchen und Übergängen.
Wenn Entscheidungen anstehen, Deutungen umstritten sind und Machtverhältnisse mitreden, geht es auch um die Bedingungen, unter denen sie zustande kommen. Dann arbeiten wir gemeinsam an den Begriffen, den Verfahren und den Spielräumen, die sich daraus ergeben.
ME/CFS und Long COVID sind dabei sowohl Schwerpunkte als auch Indikatoren, an denen sich früh zeigt, was Systeme stabilisieren und wo sie veränderbar sind.
Medizin und Systemperspektiven: meine Schwerpunkte im Überblick