Dr. med. Karin Kelle-Herfurth

Dr. med. Karin Kelle-Herfurth

Beratende Ärztin und Partnerin für Neue Wege zum gesunden Erfolg - für Menschen und Unternehmen in Transformation.

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Depression: Erkennen, darüber reden und Stigmatisierung abbauen

Depressionen rechtzeitig zu erkennen und professionelle Hilfe zu finden oder zu vermitteln, sind wichtige Anliegen, denen ich mich gemeinsam mit der Schlaganfallbegleitung in einer fünfteiligen Artikelreihe gewidmet habe. Dies ist nicht nur deshalb relevant, weil etwa 30 % der Schlaganfall-Betroffenen eine Post-Stroke-Depression entwickeln, sondern auch, weil die Beschäftigung mit krankheitsübergreifenden Gesundheitsthemen wie diesem generell von großer Bedeutung ist.

Dieser Praxis-Leitfaden dient der Selbsthilfe bei Verdacht auf Depression und richtet sich an Betroffene sowie deren Angehörige und professionell Unterstützende im Rahmen der psychosozialen Edukation. Er beschreibt Erkennungsmerkmale einer Depression und erläutert anhand einer Systematik, wie sich die Symptome von normalen Stimmungsschwankungen und Gefühlen wie Traurigkeit unterscheiden können.

Zudem geht er auf frühe Hilfen und kommunikative Aspekte bei psychischen Belastungen und Krisen ein. Ziel ist es, durch strukturierte Informationen Orientierung zu vermitteln, für wechselwirkende Effekte in sozialen Kontexten zu sensibilisieren sowie Wege und Anlaufstellen für erste Schritte zur diagnostisch-therapeutischen Abklärung aufzuzeigen. Dies ersetzt keine ärztliche oder psychologische Beratung.

Die gemeinnützige Gesellschaft aus Berlin hat 2020 die frei zugängliche Plattform schlaganfallbegleitung.de gegründet, die wissenschaftlich fundierte Informationen rund um den Schlaganfall bietet. Mit drei Online-Kursen, einem Mitgliedsbereich und dem Selbsthilfe-Forum betreibt sie heute ein einzigartiges Ökosystem mit digitalen Unterstützungs- und Bildungsangeboten zu Themen der Prävention bis zur Nachsorge.

Sie verfolgt das Ziel, umfassend und laienverständlich über alle Facetten der Erkrankung aufzuklären, Rat zu geben und individuelle Fragen, Ängste und Nöte im Alltag zu adressieren. Die Erfahrungen des ärztlichen und therapeutischen Teams, anderer Gesundheitsberufe und Stimmen von Betroffenen und Angehörigen, die hier einfließen, vermitteln ein realistisches Bild der Versorgungsrealität.

Depression ist eine ernstzunehmende psychische Erkrankung, die weltweit verbreitet ist und dennoch häufig erst spät erkannt und unterschätzt wird.

Sie beeinträchtigt das Denken, Fühlen und Verhalten und kann dadurch die Teilhabe in allen Lebensbereichen sowie die Lebensqualität erheblich reduzieren.

Etwa sechs Prozent aller depressiv Erkrankten sterben an der Erkrankung.

Zu den Hauptsymptomen gehören anhaltende Niedergeschlagenheit, Freudlosigkeit, Interessenverlust, Antriebsminderung und erhöhte Ermüdbarkeit.

Zusatzsymptome können Schlafstörungen, Konzentrations-, Aufmerksamkeits- und Gedächtnisprobleme, selbstabwertende Gedanken, negative Zukunftsperspektiven, veränderte Essgewohnheiten, innere Unruhe, suizidale Gedanken oder Handlungen sowie unspezifische körperliche Symptome sein.

Eine Depression hat jedoch “viele Gesichter”: Es gibt verschiedene Formen und unterschiedliche Verläufe, wobei äußerliche Anzeichen oft nicht sichtbar sind. Bei schweren Episoden sind selbst einfachste alltägliche Aktivitäten stark beeinträchtigt.

Das Krankheitsbild zu verstehen und mögliche Anzeichen einer Depression zu erkennen, ist eine Voraussetzung, um frühzeitig geeignete Hilfe und professionelle Unterstützung zu erhalten bzw. zu vermitteln.

Dies ist keine Diagnoseanleitung, aber hoffentlich eine weitere Orientierungshilfe zum Erscheinungsbild und Auswirkungen auf die Funktionsfähigkeit und Teilhabe. In diesem Teil gehe ich auf Symptome einer Depression im Kontext der Unterscheidung gegenüber anderen Stimmungslagen ein. Lesen Sie Stimmen von Betroffenen, wie sie ihre Erkrankung vor und nach der Therapie erlebt haben. Auf einem Blick:

Schlechte Laune, Traurigkeit und Trauer sind emotionale Zustände, die in einigen Symptomen einer Depression ähneln können. Unterscheiden lassen sie sich nach der Art der Symptome, der Dauer und den Auswirkungen im Alltag:

Schlechte Laune beschreibt eine kurzlebige, negativ geprägte Verstimmung, oft ausgelöst durch äußere Ereignisse, die schnell vergeht.

Traurigkeit, als tiefere emotionale Reaktion auf persönliche Rückschläge oder Enttäuschungen, kann länger anhalten, verschwindet aber ebenso von selbst.

Trauer, eine natürliche Reaktion auf schwerwiegende Verluste, wird intensiver und mit komplexen Gefühlslagen erlebt. Sie kann wellenförmig verlaufen und lang andauern, während ihre Ausprägung über die Zeit nachlässt. Pathologische Trauer beeinträchtigt den Alltag erheblich. Sie kann in eine Depression münden.

Depression ist eine ernsthafte psychische Erkrankung, charakterisiert durch anhaltende Niedergeschlagenheit, Freudlosigkeit und Antriebsverlust sowie weitere Symptome, die das Denken, Fühlen und Verhalten beeinflussen. Die Teilhabe- und Alltagsfunktionen können dadurch erheblich eingeschränkt sein.

Die Abgrenzung dieser individuell variierenden psychischen Zustände kann schwierig sein. Innere, seelische Nöte bleiben nach außen hin oft verborgen. Zudem können Symptome körperlich bedingt sein.

Deswegen ist eine fachgerechte Einordnung unerlässlich. Selbsttests können erste Anzeichen einer Depression aufzeigen. Bei Verdacht sollte eine ärztliche oder/und psychologische Diagnostik erfolgen.

Denn Früherkennung und Frühintervention mit einer leitlinienorientierten, personalisierten Behandlung sind prognostisch entscheidend. Unbehandelt neigen Depressionen zu schwereren Verläufen.

Zur Unterstützung und Behandlung bei Depressionen führen verschiedene Wege. Was sind die ersten Schritte zur Diagnostik und Therapie? Dazu habe ich im dritten Teil eine Übersicht geschrieben. Weitere, auch niedrigschwellige Unterstützungsmöglichkeiten, Informations- und Beratungsangebote folgen im vierten Teil zum Umgang mit Suizidgedanken: „Über seelische Belastungen reden – Wen kontaktieren?“

Das Wichtigste in Kürze:

Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle zur Abklärung bei Verdacht auf Depression. Gegebenenfalls wird hier eine Behandlung eingeleitet, eine Therapieverordnung oder Überweisung zur Differenzialdiagnostik ausgestellt.

Psychotherapeutische Sprechstunden werden von allen vertragsärztlichen und psychotherapeutischen Praxen angeboten, die nach den anerkannten Verfahren der Psychotherapie-Richtlinie behandeln. Diese Sprechstunden sind für Erstgespräche und Akutbehandlungen vorgesehen, auch um weiterführenden Behandlungsbedarf zu beurteilen.

Online-Plattformen und Termin-Servicestellen wie die der 116 117 oder regionale Auskunftsdienste unterstützen bei der Suche einer geeigneten Praxis.

Lange Wartezeiten für Psychotherapieplätze sind aufgrund der ambulanten Versorgungsengpässe allerdings eher die Regel als Ausnahme. Bei Schwierigkeiten, trotz Ausschöpfen aller regulärer Möglichkeiten einen Platz zu finden, können gesetzlich Krankenversicherte versuchen, die Übernahme von psychotherapeutischen Privatleistungen über das Kostenerstattungsverfahren zu beantragen.

Gruppentherapie kann für manche eine zusätzliche, schnellere Therapieoption sein, mit Vorteilen wie gegenseitigem Erfahrungsaustausch und Unterstützung.

Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) sind als medizinische Angebote zur Unterstützung des Selbst- und Krankheitsmanagements bei Depressionen zunehmend verfügbar. Sie können als begleitende Maßnahmen traditionelle Therapien ergänzen und Wartezeiten bis zum Therapiebeginn überbrücken.

Auch dieses sensible Thema darf nicht fehlen in unserer Artikelreihe. Denn immer wieder wird Bedarf nach Informationen und Anlaufstellen deutlich, wenn über Symptome einer Depression, Unsicherheiten und Ängste im Umgang mit psychischen Krisen und lebensmüden Gedanken gesprochen wird. Was zählt:

Suizidgedanken sind immer ernstzunehmen. Nehmen sie an Intensität zu oder sind konkrete Pläne vorhanden, besteht dringender Handlungsbedarf.

Es ist wichtig, über seelische Belastungen zu sprechen und professionelle Hilfe frühzeitig in Anspruch zu nehmen, auch wenn es Überwindung kostet.

Genauso wichtig ist es, Äußerungen anderer über lebensmüde Gedanken und Vermutungen ernst zu nehmen, darauf anzusprechen und geduldig zuzuhören sowie professionelle Hilfe zu vermitteln.

Es gibt niedrigschwellige Hilfen wie kostenlose und anonyme Notfall-Hotlines. Diese bieten entlastende Gespräche und Unterstützung in psychischen Krisen an, auch Online-Beratung per Mail oder Chat.

Umfassende Informationen, Adressen von Krisendiensten und Beratungsstellen sowie digitalen Angeboten, nebst Foren und Selbsthilfegruppen bietet auch die Stiftung Deutsche Depressionshilfe an.

Direkt vor Ort besteht neben der hausärztlichen, psychotherapeutischen oder psychiatrischen Betreuung die Möglichkeit, einen sozialpsychiatrischen Dienst aufzusuchen.

Bei akuter Suizidgefahr sollte nicht gezögert werden, den Notruf zu wählen: 112 (Rettungsdienst) oder 110 (Polizei).

In psychischen Krisen mit suizidalen Gedanken wird die Situation und Gefährdung bewertet, gezielte Unterstützung vermittelt und das Suizidrisiko verringert.

Ob eine stationäre psychiatrische Einweisung nötig ist, ggf. auch gegen den Willen, wird mit professioneller Hilfe im individuellen medizinischen, sozialen und situativen Kontext abgewogen.

Angehörige, Freunde und Kollegen bemerken häufig zuerst unspezifische Verhaltensänderungen, die auf eine Depression hindeuten könnten. Die Symptome sind oft diskret und können sich zum Beispiel in gedanklicher Abwesenheit, Interessenverlust und aufgesetztem Lachen äußern.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Menschen mit Depressionen innerlich kämpfen, während sie nach außen hin normal erscheinen. Die Schwierigkeit, Emotionen zu unterscheiden und eigene Bedürfnisse zu erkennen, kann die Selbstregulation und das Sprechen über Gefühle erschweren.

Zusätzliche Herausforderungen entstehen durch Interaktionen mit der Umwelt, etwa durch das Erleben sozialer Stigmatisierung psychischer Erkrankungen.

Für ein besseres Verständnis ist es wichtig, auch für gesellschaftliche und strukturelle Einflüsse sensibilisiert zu sein und einen bewussten Umgang zu entwickeln. Etwa durch:

Aufmerksames Zuhören: Nehmen Sie Äußerungen von Betroffenen ernst und versuchen Sie, sie zu verstehen, ohne vorschnell zu urteilen oder ungefragt Ratschläge zu geben.

Empathische Kommunikation: Bieten Sie Raum für ein verständnisvolles Gespräch und Selbstreflexion (siehe „Was Menschen mit Depressionen brauchen und was nicht“).

Akzeptanz der eigenen Grenzen: Es ist normal, sich manchmal hilflos oder überfordert zu fühlen. Dies anzuerkennen, ist ein wichtiger und oft entlastender Schritt.

Nutzen von Ressourcen: Professionelle Unterstützung, der Austausch in Selbsthilfegruppen, Informationsmaterialien und Bildungsprogramme können wertvolle Hilfen sein.

An- und Zugehörige spielen eine wichtige Rolle für die Akzeptanz und langfristig erfolgreiche Behandlung bei Depressionen.

Auch die eigene psychische Gesundheit und Selbstfürsorge sollten nicht zu kurz kommen.

Entlastendes Reden mit professionell Zuhörenden

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Kostenfreie Soforthilfe und Redezeit bei belastenden Gedanken, herausfordernden Lebensthemen und psychischen Krisen – anonym und ohne Anmeldung per Telefon, Skype, Zoom, WhatsApp oder Facetime.

Telefon-Hotlines und Online-Beratung per Chat oder Mail

TelefonSeelsorge: telefonseelsorge.de
rund um die Uhr erreichbar: 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222

Nummer gegen Kummer: nummergegenkummer.de
für Kinder und Jugendliche: 116 111
für Eltern: 0800 – 111 0 550

Hilfe im Notfall und bei akuten Suizidgedanken:
Notruf 112 (Rettungsdienst) oder 110 (Polizei)

Selbsthilfegruppen vor Ort und online

In psychisch stabilen Phasen kann der Austausch mit anderen Betroffenen in einer Selbsthilfegruppe wertvoll sein, da hier alle ähnliche Herausforderungen kennen. Der Anschluss an eine Gruppe kann auch eine Brücke für diejenigen sein, die noch eine geeignete Therapie suchen oder auf einen Platz warten.

Die NAKOS bietet eine Datenbank zur bundesweiten Suche von Selbsthilfegruppen und anderen Selbsthilfe-Unterstützungsangeboten (Telefon: 030 / 31 01 89 60 oder E-Mail: selbsthilfe@nakos.de). Das Portal für Junge Selbsthilfe bietet eine Datenbank speziell zur Suche für junge Menschen.

Bei beiden Datenbanken können Sie in der Suchmaske Ihre Stadt oder Postleitzahl eingeben und das Thema (z. B. Depression), zu dem Sie sich austauschen möchten.

Informationen, Beratung und Unterstützung bei Depression im Alltag und Berufsleben

Über die Deutsche Depressionshilfe finden Sie auch Informationsmaterialien, Angebote wie Schulungen, Peer-Beratungen und weiterführende Bildungsprogramme für Formen und Organisationen.

Die Deutsche Depressionsliga setzt sich als reine Betroffenenorganisation durch Menschen mit eigener Erfahrung bundesweit für Selbsthilfe und eine Verbesserung der Versorgung bei Depression ein.

Das Betanet Informationsportal bietet einen sehr guten Überblick über fast alle relevante Themen, auch in sozialrechtlichen Fragen, die für Betroffene und Angehörige von Bedeutung sind. Der Betanet Ratgeber als PDF ist als Nachschlagewerk sehr zu empfehlen (Print: Depressionen – Sozialrechtliche und psychosoziale Informationen zur Erkrankung. beta Institut gemeinnützige GmbH, 17. Auflage, Juli 2023).

Die REHADAT Wissensreihe Depression bietet auf dem Online-Portal ebenfalls umfassende Informationen zum Krankheitsbild, zu Auswirkungen im Alltags und über Unterstützungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz: “In Schwermut steckt Mut! Wie sich die berufliche Teilhabe von Menschen mit Depressionen gestalten lässt.” REHADAT-Wissensreihe, Ausgabe 6, 2017.

Informationen und Initiativen zur Suizidprävention

Die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention bietet neben eigenen Initiativen zur Suizidprophylaxe eine Übersicht über deutschlandweite Angebote für Menschen in Lebenskrisen und mit Suizidgedanken, ebenso für Angehörige und Hinterbliebene.

Die Schweizer Seite reden-kann-retten.ch gibt ebenfalls hilfreiche Anregungen zur Gesprächsführung und Verhaltensempfehlungen, wenn Sie das Gefühl haben, jemand könnte Suizidgedanken haben.

Alle Schwerpunktthemen und Fachbeiträge in der Übersicht

Psychosoziale Edukation und Coping im Kontext lebensverändernder Krankheiten

Digitale Selbsthilfe nach Schlaganfall: Das Online Forum mit professioneller Begleitung

REFLEXIONSÜBUNG: So kommen Sie raus aus dem Stress und finden Ihre Balance

Raus aus der Tabu-Zone! Psychische Belastungen im Arbeitskontext

Führung und Gesundheit im Wandel: Selbstfürsorge und Stressbewältigung

Sucht im Team – Tabu- oder Führungsthema?

Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz: Für kleine Unternehmen essenziell

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2 Gedanken zu „Depression: Erkennen, darüber reden und Stigmatisierung abbauen

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